Zouzou und die Pindos-Ponies (Αλογάκι της Πίνδου)
- Autor
- Jeannine Streiff
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Die alte Eseldame graste im Schilf, versteckt bis ihr Chef kam und sie lauthals mit Zouzouuuuuu zu sich rief. Angebunden steckte sie den Kopf hervor und begrüsste ihn mit einem überaus freundlichen Iaaa… er kraulte sie hinter den langen Ohren, ich war überrascht wie der kleine Mann offensichtlich an der alten Dame hing. Wir kamen ins Gespräch und ich fragte Vasilis ob er auch Pferde halte? Voller Stolz deutete er uns ihm zu folgen und stellte uns seine Pindos-Ponies vor. Selbstverständlich war es für mich als langjährige, passionierte Freizeitreiterin und ehemalige Pferdebesitzerin ein Muss diese kleine, zähe und doch wendig wirkende Rasse zu testen.
Es war schon seit längerem ein Wunsch von mir, wenn ich manchmal (allerdings auf Samos) von weitem einen Reiter traben sah, auch auf einer dieser kleinen, asiatisch anmutenden Pferderassen, mit Glöckchengebimmel im Damensitz unter den Olivenbäumen durch zu reiten.
Am Tag darauf war es dann so weit und ich bin (mit Helm!) mit Vasilis ausgerückt für einen Ritt ins Hinterland von Karavostasi. Unter uralten, riesigen mit Moos bewachsenen Bäumen an einem Bachlauf entlang sind wir losgeritten. Vasilis merkte sofort, dass es für mich kein Problem war mit dem Tempo zu recht zu kommen und der kleine, barhufe (unbeschlagene) Wallach den ich ritt schien meine Kommunikation gut zu verstehen und sich wohl zu fühlen unter mir. Vasilis erklärte unterwegs verschiedene Heilkräuter und war überrascht als ich ihn auf das Zinnkraut (Ackerschachtelhalm) aufmerksam machte, welches hier zahlreich wuchs, offenbar war es ihm als Heilkraut nicht bekannt. Worauf er mich dann nach einem Kraut fragte gegen hohen Cholesterinspiegel…, ich lachte etwas und sagte ihm pragmatisch er müsse halt weniger Schaffleisch essen…..
An Olivenbäumen und Granatapfelbäumen vorbei, Schritt, Trab und Galopp, kamen wir zu einer Kapelle mit einer steilen Steintreppe, welche wir selbstverständlich hoch geritten sind. Die Kapelle war dem hl. Thanasiou geweiht, offenbar wird er vor allem von den Frauen verehrt, welche sich bei frauentypischen Problemen aller Art an ihn wenden. Beim Einfall der Türken habe er sich im hohlen Stamm des Olivenbaumes unerkannt versteckt gehalten. Vasilis umrundete zu Pferd, Kreuzzeichen machend den Baum dreimal.
200 Euro koste ein Pindos-Pony ungefähr! Der Import mit all den komplizierten Einfuhrbestimmungen würde den Preis um ein Vielfaches in die Höhe treiben. Ich bin mir fast sicher, dass die Pferdchen, würden sie erst einmal bekannt werden in der Freizeitreiterszene in der Schweiz, begehrte, zuverlässige Kameraden wären. Aber eben hätte und wäre sind Brüderchen. So bleibt es wohl für mich vorerst bei einem schönen Erlebnis bei dem ich meine Griechisch Kenntnisse sehr gut gebrauchen konnte.
Herbst 2009, Jeannine Streiff
Ursprünge der Rasse
Das Pindos-Pony, αλογάκι της Πίνδου, trägt seinen Namen vom Pindos Gebirge, das die Grenze zwischen Thessalien und Epirus bildet. Es geht wohl auf eine alteingesessene Rasse zurück, die dort vermutlich schon in der Antike existierte. In der Zeit der Türkenherrschaft zwischen 1453 und 1830 scheint ihm in größerem Maße Orientalisches Blut zugeführt worden zu sein. Das Pindos-Pony diente vorwiegend als Pack- und Reitpony der Bergbauern sowie für leichtere landwirtschaftliche Arbeiten. Die Stuten wurden sehr häufig für die Maultier-Zucht verwendet. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges und des griechischen Bürgerkrieges haben die einst zahlreichen Ponies ebenso stark dezimiert wie die in der Nachkriegszeit einsetzende Motorisierung.
Quelle: www.horse2buy.de/lexikon-der-pferderasse/






