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Fischbestand des Sees Trichonis gerät aus dem Gleichgewicht

Trihonida-06Seit über 40 Jahren besuche ich mit meiner Frau, einer gebürtigen Griechin, fast jährlich ihren Heimatort Kapsorachi, der unmittelbar am westgriechischen See Trichonis liegt. Ich selbst bin von Beruf in der Fischwirtschaft und in einem Schauaquarium tätiggewesen, gehe jetzt im Ruhestand mehrmals dem sportlichen Fischfang nach unbin daher über die Fische des Sees genügend informiert. In Griechenland gibt es im Süßwasserbereich zwei ichthyologische Faunengebiete, das nordöstliche (Makedonien, Thrakien, Thessalien) welches der pontisch- kaspischen Region ähnelt, es weist uns bekannte Fische aus dem Donauraum auf, und das südwestliche, welches eine fast gänzlich eigene Fischfauna aufweist.

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Zu letzt genanntem Gebiet zählen Epirus, Aitoloakarnania und die Peloponnes. In diesem Gebiet liegt auch der See Trichonis, der auch der größte See Griechenlands ist. Wenn wir uns den Fischbestand einmal vor Augen führen, werden wir feststellen, dass zumindest fünf Fischarten nur im Fliesssystem des Acheloos, dem auch unser See angehört, beheimatet sind. Es handelt sich um den mit unserem Waller nahestehenden Aristoteleswels Silurus aristotelis, der nur bis 60 cm lang wird, den bis zu 50 cm grossen Rotfederart Scardinius acarnanicus, den Steinbeißerart Cobitis trichonica, den vielleicht kleinsten Grundelart Europas Economidichthys trichonis und den zur Zeit wirtschaftlich wichtigen, im Süsswasse lebenden Form des Ährenfisches Atherina boyeri. Weitere Fischarten sind die Barbe Barbus albanicus, die 2 kg erreicht, der Döbel Leuciscus cephalus albus, die gleichfalls wichtige, einem Nerfling ähnelnde südländische Plötze Rutilus ylikiensis und die einem Moderlieschen ähnelnde Art Tropidophoxinellus hellenicus. Diese Fischarten sind im übrigen südwestlichen Gebiet verbreitet.

Eingeführte Fischarten sind Giebel, Karpfen und Schleien. Aale sind vorhanden, ihr Bestand ist aber sehr stark zurückgegangen. Früher gab es sogar einen gewissen Bestand der Forellenart Salmo trutta dentex, die aber heute im See als ausgestorben gilt. Auch die Meeräsche Mugil cephalus hat den See vor langer Zeit aufgesucht, Bewässerungsanlagen haben aber weitere Aufstiege verhindert. Ältere ansässige Fischer erzählen sogar von Maifischen (Alosa) und gelegentlichen Wolfsbarschen, das sei aber schon sehr lange her.

Der See wird teils von steilen Berghängen, teils von breiten Schilfgürteln umgeben, ist etwa 55 qkm groß und etwa 60 m tief, die Steilufer setzen sich zum Teil unter Wasser fort. Infolge der sehr warmen Sommertemperaturen ziehen sich Scardinius acarnanicus, Barbus albanicus, Rutilus hylikiensis und auch die Aristoteleswelse teilweise von Juli bis September in tiefere Wasserschichten (ca. 20 m ) zurück.

Von den rund um den See ansässigen Fischern wird seit altersher eine wohl nicht bestandsgefährdende Fischerei mit Stellnetzen und Legangeln betrieben, sie beliefernmit ihrem Fang die umliegenden Ortschaften. Hauptfische sind in der Regel Rutilus hylikiensis, Scardinius acarnanicus, Barbus albanicus, Giebel (Carassius auratus) und Silurus aristotelis. Mit Legangeln wird den Aalen und dem Aristoteleswels nachgestellt. Karpfen und Schleien werden seltener gefangen. Vor mehreren Jahren etwa kam noch ein weiterer Fischereizweig hinzu, der intensive Fang von Ährenfischen mit feinmaschigen Zugnetzen und mit Lichtanlockung. Die Sportfischerei vom Ufer aus ist fast nur von Oktober bis Mai erfolgreich, wenn die Fische infolge kühlerer Wassertemperatur sich in Ufernähe aufhalten.

Während Stellnetz-,Legangel- und Hobbyfischerei wohl keinen nennenswerten Einflußauf den Fischbestand haben, wird er von der wegen wachsender Nachfrage durch die Gastronomie (sogar Athen wird beliefert) von einigen Fischern intensiv betriebenen Zugnetz- und Lichtfischerei auf Ährenfische in jüngster Zeit doch erheblich beeinträchtigt. Da diese Fische kaum grösser werden als 10 cm und sich als Vorspeise, Beilage oder „meses“ zum abendlichen Ouzo hervorragend eignen, werden die Fische systematisch gefischt. Mittlerweise sind die Bestände dramatisch zurückgegangen und das hatte Folgen auch für die anderen Fischarten, nicht zuletzt deshalb, weil mit den feinmaschigen Zugnetzen auch zahlreiche Jungfische eben dieser Arten mitgefangen wurden. Hinzu kommt, dass Ährenfische für grössere Exemplare der Art Scardinius acarnanicus zur Hauptnahrung werden und für Barbe und Aristoteleswels zumindest eine willkommene Gelegenheitsnahrung sind. Für Berufs- und Freizeitfischer wird der Rückgang deutlich spürbar. Manche der nicht mit Zugnetzen und Licht arbeitenden Fischer fühlen sich schon in ihrer Existenz bedroht, durchaus realistisch, wenn der Überfischung mit Licht und Zugnetz nicht sofort Einhalt geboten wird.

Da der See selbst über weite Schilfzonen und breite Unterwasserpflanzengürtel (Laichkraut, Tausendblatt, Vallisnerien) verfügt und das Wasser kalkhaltig ist (pH 8), besteht ein grosses Nahrungsangebot für reichhaltigen Fischbestand und eine vernünftige, nachhaltige Fischerei dürfte hiermit gewährleistet sein, wenn allerdings Zugnetz und Licht nur regulierend ausgeübt werden. Zum Beispiel, wenn die Fischbestände sich wieder erholt haben und Überbestände bilden, was bei dem Nahrungsangebot sicher zutreffen kann. Die von einigen Fischern ausgeübte engmaschige Stellnetzfischerei auf Ährenfische, vornehmlich in Ufernähe, wobei nur geringe Mengen zur eigenen Verwendung gefangen werden, dürfte kaum Auswirkung auf den Fischbestand haben.

Der See Trichonis liegt in Nähe der Städte Agrinion und Thermos und bettet sich harmonisch inmitten von steilen Berghängen und Flachebenen ein. Viele kleine Ortschaften umgeben seine Ufer, mancherorts sind Gastlokale in unmittelbarer Seenähe entstanden, sicher eine Bereicherung für manche Touristen. Vogelkundler können vor allem im Schilfbereich Zwergtaucher, Silberreiher und auch gelegentlich Kormorane beobachten, deren Zahl aber so gering ist, dass sie der Fischerei keinen Schaden zufügen. Auch Würfelnattern und kaspische Bachschildkröten werden hier gesehen. Sogar der Fischotter taucht mitunter auf.

Wie wohl aus bisher gesagtem ersichtlich wird, handelt es sich beim See Trichonis um eine ökologische Kostbarkeit, allein schon wegen der nur im Acheloosgebiet beheimateten Fischarten. Eine sinnvolle nachhaltige, auch regulierende Fischereiund sanfter Tourismus können uns dieses Naturdenkmal sicher noch viele Jahre bewahren.

Text: Von Jens Beucker
Bilder: Vangelis Doutsios