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Sokratis Georgiadis (Hrsg.): "Gottfried Semper (1803-1879). Griechenland und die lebendige Architektur"

Cover-SemperPublikation "Gottfried Semper 1803-1879 - Griechenland und die lebendige Architektur" "Folgenreiche griechische Episode der architektonischen Karriere Sempers"

Die Entdeckung von Farbspuren an den Baugliedern antiker Tempel in Athen, die von einer extensiven Anwendung architektonischer Polychromie bei den Griechen zeugen, wird für Gottfried Semper, dem bedeutenden deutschen Architekten des 19. Jahrhunderts, der vor allem für seine Theaterarchitektur berühmt geworden ist (zum Beispiel Dresdner Hoftheater), zu einem Schlüsselerlebnis auf seiner archäologischen Reise 1831/32 nach Griechenland. Die Auswirkungen dieser Erfahrung auf Sempers Architektursystem, seine wegweisende Rolle in der Entfaltung architektonischer Modernität, die Spuren seines Wirkens in Griechenland und die Nachwirkung seiner Ideen auf die lebendige Architektur bis heute sind Themen einer im Kölner Romiosini Verlag für zeitgenössische griechische Literatur erschienenen zweisprachigen (deutsch-griechisch) Publikation der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: „Gottfried Semper (1803-1879) - Griechenland und die lebendige Architektur“.

Mit Unterstützung der Griechischen Kulturstiftung und des Goethe-Instituts Athen und herausgegeben von Sokratis Georgiadis, Architekt und Professor für Architektur- und Designgeschichte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, geht diese Publikation aus einer Tagung hervor, die anlässlich des 200. Geburtstags von Gottfried Semper im Oktober 2003 am Goethe-Institut Athen stattfand. Gottfried Semper habe sich auf der erwähnten Reise mit den Thesen Johann Joachim Winckelmanns auseinandergesetzt. „Winckelmanns Diktum von ,edler Einfalt, stiller Größe' der alten Griechen, seine Thesen von der Schlichtheit der so genannten ,weißen Antike' (1764) unterzog der an Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte interessierte Gottfried Semper vor Ort einer kritischen Überprüfung“, stellt Professor Paul Uwe Dreyer, Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, in seinem Geleitwort fest. 1834 erscheint Sempers Schrift „Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architektur und Plastik bei den Alten“, in der er seine Erkenntnisse zusammenfasste und theoretisch verarbeitete. Dreyer: „Für viele galt die These Sempers, die Bauten und Plastiken der Antike seien nicht marmorweiß, sondern vielmehr farbig gefasst gewesen, noch immer als geradezu ketzerisch. Denn gerade im 19. Jahrhundert entfaltete die deutsche Klassik im bürgerlichen Bildungskanon eine ungeheure Wirkung, die nicht unterschätzt werden darf. Die Debatte um die Farbigkeit antiker Architektur wurde im Grunde bereits seit Jahrzehnten geführt und nach zähem Ringen schließlich zu Gunsten eines neuen, das heißt polychromen Bildes der griechischen Antike entschieden.“

Die Beiträge der Autoren - Manos Biris (Architekt, Professor für Architekturgeschichte an der Technischen Universität Athen), Gerd De Bruyn (Professor an der Universität Stuttgart, Leiter des Instituts für Grundlagen der modernen Architektur und Entwerfen), Rena Fatsea (Architektin, Professorin für Geschichte des Städtebaus an der Universität Thessalien in Volos), Louisa Hutton (Architektin in Berlin), Boris Podrecca (Architekt, Professor für Entwerfen an der Uni Stuttgart), Dagmar Richter (Architektin, Professorin für Entwerfen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart), Panayotis Tournikiotis (Architekt, Professor für Architekturtheorie an der Technischen Universität Athen) sowie Sokratis Georgiadis selbst - zielen jedoch nicht nur auf die historische Dimension ab. Bei der im Oktober 2003 am Athener Goethe Institut stattgefundenen Tagung, bei der das Zustandekommen eines Austausches zwischen Theoretikern und Historikern der Architektur sowie praktizierender Architekten angeregt wurde, sei die „folgenreiche griechische Episode der architektonischen Karriere Sempers“ als Ausgangspunkt genommen worden, „um den Nachdruck auf die Nachwirkung seiner Ideen zu legen und vor allem deren Bezüge mit aktuellen architektonischen Problemstellungen aufzuspüren“, erläutert Herausgeber Georgiadis. Dies erschien umso angebrachter, so Georgiadis weiter, „als in der heutigen Architekturdiskussion Kernkonzepte Semperscher Theorie (Polychromie, Bekleidung) wieder eine zentrale Rolle spielen". Georgiadis: „Die Mischung der Herangehensweisen bildete den Leitfaden für die Tagesordnung des Athener Treffens und wiederholt sich in der vorliegenden Publikation, die aus den Beiträgen der Tagung hervorgegangen ist.“

Sokratis Georgiadis (Hrsg.): Gottfried Semper (1803-1879).
Griechenland und die lebendige Architektur.
Texte deutsch-griechisch.
Übersetzungen: Maria Georgiadou, Sokratis Georgiadis, Joachim Winkler.
Romiosini Verlag Köln/University Studio Press Thessaloniki.

Mit 53 Abbildungen. 182 Seiten. 25,80 Euro.